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Burg Karlstein

Böhmen

1348-1370, Bauherr: König Karl I.

Der Karlstein zählt in Europa zu den beeindruckendsten gotischen Burgenbauten. Sein Gründer war Karl I., Böhmischer König seit 1346 (und als Karl IV. seit seit 1355 auch Römischer Kaiser). Die Burg diente zur Verteidigung, als Zufluchtsort und zur Aufbewahrung der kaiserlichen Reliquien. Ihre Entstehung fiel in eine Zeit der Kriege und Epidemien; 1348 brach die „Schwarze Pest“ in Europa aus.

Der Karlstein wurde 20 km südwestlich von Prag auf einem 72 m hohen Kalkfelsen über dem Fluss Beraun errichtet. Die gut erhaltene Burganlage gliedert sich in eine Vor- und eine Hauptburg. Über eine Zugbrücke gelangt man durch ein Tor in die Vorburg und betritt den Burghof mit Burggrafschaft. Eine zwei Meter dicke Steinmauer trennt Vorburg und innere Burg. Innen eröffnet sich zunächst der dreistöckige Kaiserpalast. Hier befanden sich Wohnräume für den Kaiser, die Kaiserin und deren Hofleute. Zum Palast gehörte die Kapelle des Hl. Nikolaus und ein Repräsentationssaal mit Wandmalereien des „Luxemburger Stammbaumes“ (heute fast wieder rekonstruiert). Gegenüber dem Kaiserpalast befindet sich der Marienturm mit Marienkirche und Katharinenkapelle.

Dominierend über die ganze Burganlage wacht der Hohe Turm, dessen “Kapelle des Heiligen Kreuzes” den eigentlichen Kern der Burg bildete. In diesem reich ausgeschmückten, sehr gut erhaltenen Raum bewahrte man die kostbaren Kleinodien auf. Das gotische Rippengewölbe ist mit Stuck verziert und vergoldet. Die Wandverkleidung aus Halbedelsteinen ist in Form von ornamentalen Kreuzen angeordnet. Solche Inkrustationen gab es auch in der kaiserlichen Privatkapelle.


Hintergrund: Einflüsse auf die Böhmische Architektur
In der Mitte des 14. Jahrhunderts wirkten in Böhmen verschiedene kulturelle Strömungen. In der Architektur machten sich vor allem französische Vorbilder bemerkbar (Karl IV. wurde am französischen Hof erzogen), die prächtige und farbenfrohe Gestaltung der Innenräume erinnert an byzantinische Arbeiten.

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