Abteikirche Saint-Philibert
Tournus, Frankreich
11. Jh.
Nüchtern wirkt die Fassade der ehemaligen Abteikirche Saint-Philibert in Tournus. Schmale Öffnungen lugen aus dem Mauerwerk hervor, das aus kleinen, unregelmäßigen Steinen besteht: Elemente, die bevorzugt bei den frühromanischen Kirchen Südfrankreichs eingesetzt wurden. Der Einfluss karolingischer Architektur ist hier noch gut spürbar.
Um so eindrucksvoller präsentiert sich das Innere der Kirche, welches um das Jahr 1066 fertig gestellt wurde: imposante, gemauerte Rundpfeiler strecken sich im Mittelschiff empor. Sie zeugen davon, dass sich die Baumeister in Tournus bereits früh über die Art des Gewölbes nachgedacht haben mussten. Auch sie standen unter dem Einfluss der Ordensreform, die um das Jahr 1000 vom burgundischen Cluny ausging.
Ursprünglich war das Langhaus der Abtei flach gedeckt. Nachdem es Anfang des 11. Jahrhunderts beschädigt worden war, machten sich die Mönche um 1020/30 daran, es wieder neu aufzubauen. Ein weiterer Umbau folgte gegen 1050. Der baldige Einsturz des Tonnengewölbes erforderte eine weitere bauliche Maßnahme um etwa 1070/80. Man gelangte zu einer speziellen Lösung: einem durch Quertonnen gewölbten Mittelschiff in Kombination mit kreuzgratgewölbten Seitenschiffen. So gehört die ehemalige Abtei von Saint-Philibert zu einer der ersten Kirchen, deren dreischiffiges Langhaus komplett gewölbt wurde.
Hintergrund: Chorumgang
Saint Philibert verbindet karolingische und romanische Strukturen miteinander; besonders deutlich zeigt das die Ausbildung des Chorumganges. Vom Langhaus führt der Weg über die Vierung in den Chor, um den herum sich ein Umgang befindet. Die Apsis nimmt diese halbrunde Form auf, doch ihre drei rechteckigen, nicht miteinander verbundenen Radialkapellen sind immer noch von der schlichten und strengen Gestalt der vorromanischen Zeit. Unter dem gesamten Komplex aus Chor, Umgang und Kapellen befindet sich die Krypta.

Abteikirche St. Philibert (Tournus, Frankreich)