Abteikirche Sainte-Trinité
Caen, Frankreich
um 1060/65 – etwa 1120
Wilhelm der Eroberer und seine Frau Mathilde stifteten Mitte des 11. Jahrhunderts zwei Abteikirchen: das Nonnen-Kloster Sainte-Trinité sowie die Mönchs-Abtei Saint-à‰tienne. Beide romanischen Kloster entstanden etwa um 1060/65. Durch sie sollte die Baukunst der Normandie zu ihrem Höhepunkt geführt werden.
Die Westfassade von Sainte-Trinité wird von zwei Türmen dominiert – ein verbreitetes Stilelement der romanischen Basiliken West- und Nordeuropas. Das Langhaus, gebaut um 1075/85, besteht aus einem Haupt- und zwei Seitenschiffen. Durch das einschiffige Querhaus ähnelt der Grundriss der Kirche in seiner Form einem lateinischen Kreuz. Im Nonnenkloster war die Hauptapsis von den Seitenchören abgeschlossen; früher gab es einen Staffelchor, der aufgrund der Krypta höher lag als das Langhaus. Im Erdgeschoss des Langchores sind heute noch die Blendarkaden an der Wand zu erkennen. Solche Blendbogen gab es auch in der Apsis. Über ihr befanden sich Fenster einfachster Art; darüber erstreckte sich bis etwa 1100/1110 ein Tonnengewölbe, das aber später abgetragen wurde. Allerdings ist der Gurtbogen noch zu erkennen.
Das Langhaus von Sainte-Trinité hat, anders als Saint-à‰tienne, keine Emporen, sondern ein Blendtriforium. Aus dem Burgund kamen neue Impulse zur Ausgestaltung von Gewölben und Stützen. So stattete man, dem Umbau von Sainte-à‰tienne folgend, das Langhaus um 1120/25 mit einem sechsteiligen Rippengewölbe aus. Eine tragende Funktion hatten die Kreuzrippen hier allerdings noch nicht, wohl eher eine gestalterische.
Hintergrund: Rippengewölbe
Auch in England, wo Wilhelm der Eroberer seit der Schlacht von Hastings (1066) König war, probierte man sich an der Konstruktion von Rippengewölben. So besitzt die Kathedrale von Durham (1093-1130) ein sechsteiliges Rippengewölbe. Diese Errungenschaft war ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg zur Gotik.

St. Trinité - Caen (Normandie), Frankreich