Herbstlich(t)
Zerbrechliches Porzellan, opakes Murangoglas und matt schimmerndes Metall – all das schenkt Leuchten ihre wohl sinnlichste Ausdrucksform. Durch Stimmungslicht werden schlichte Räume zu Refugien
Wir befinden uns in einer Zeit, in der sich so manches Geschöpf der Tierwelt langsam, aber sicher auf seinen wohl verdienten Winterschlaf vorbereitet. Solch eine komfortable Lösung kommt für uns geschäftige Stadt- und umtriebige Landmenschen ja leider nicht in Frage. Doch wie können wir uns die kühleren, unwirtlichen Monate so angenehm wie möglich gestalten? Eigentlich ist doch nichts gegen die Idee einzuwenden, sich in den “Bau†zurückzuziehen, ihn kuschelig auszustatten – auf dass man sich dort rundum wohl fühle!
Oasen zum Entspannen
Es gehört zu den einfachen Glücksmomenten im Leben, bei Wind und Wetter drinnen im Warmen zu sitzen, der Natur ihren Lauf zu lassen, dabei ein spannendes Buch zu lesen, während einem der heiße Tee aus der Tasse entgegen dampft und der Schokokeks auf seinen Verzehr wartet. Wie trostlos wäre diese Szenerie ohne behagliches Stimmungslicht, das harte Kontraste und Silhouetten weich zeichnet, ein harmonisches Ambiente schafft und so erst zum “Höhleneffekt†beiträgt. Wird der größte Teil der Freizeit also nach Hause verlagert, ist eine Besinnung auf die eigenen sensorischen Fähigkeiten gefragt. Mit kleinen Lichtquellen kann man punktuell Akzente setzen und gezielt Bereiche eines Zimmers sanft beleuchten. Tischleuchten eigenen sich gut dafür: zum Beispiel auf Beistelltischen rechts und links eines Sofas, zwischen Zwei- und Dreisitzer oder neben einem ausladenden Sessel. Wer diese auch als Leseleuchten benutzen möchte, achtet am besten darauf, dass sie von sitzender Position aus weder ein Blenden noch einen Blick auf Lampe und Fassung zulassen.
Es lohnt sich, den Fokus auf besonders dekorative Einzelstücke zu lenken: ein antiker Sekretär benötigt nicht unbedingt eine moderne, technisch voll durchdachte Schreibtischleuchte. Stattdessen kommt seine Patina im Lichtkegel einer verspielten Tischleuchte aus golden schimmerndem Metall oder im Schein eines silbernen Kerzenleuchters erst richtig zu Ehren.
Schattenspiele
Wer über Wandanschlüsse verfügt, sollte diese unbedingt in die Gestaltung mit einbeziehen. Das Licht von Wandleuchten kann mal nach oben oder unten gerichtet sein, mal wird es gleichmäßig in fast alle Richtungen abgegeben. In jedem Fall entstehen faszinierende Kompositionen aus Licht und Schatten, wobei nicht nur die Leuchten, sondern auch die projizierten Lichtspiele der Wandfläche eine sehr individuelle Struktur verleihen. Auf verputzten Wänden wird dieser Effekt noch verstärkt. Lampenschirme aus lichtundurchlässigem Material wie etwa Bronzeguss reflektieren die ganze Helligkeit direkt an die Wand. Solche aus opakem Glas streuen das Licht breiter, die Leuchte kann somit mehr Helligkeit in den Raum abgeben. Beides hat seinen eigenen Reiz; es ist aber ratsam, die architektonischen Gegebenheiten mit den eigenen Vorstellungen abzuwägen.
Natürlich gibt es ein paar Tricks: niedrige Decken lassen sich optisch strecken, wenn man sie nach oben hin beleuchtet. Das funktioniert auch umgekehrt: bei kleinen Räumen mit unproportional hohen Decken empfiehlt es sich, zum Ausgleich in Richtung Boden zu erhellen – so “verschwindet†die Höhe im Dunkel. Um wirklich alle Sinne zu stimulieren und ein ganzheitliches Wohlbehagen auszulösen, dürfen Kerzen, Windlichter und Duftöllampen nicht fehlen. So gesehen verzichtet man doch gerne auf den Winterschlaf.




Herbstlich(t) - mein schönes zu hause3 06/02