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Funkeln im Dunkeln

Wer denkt bei Kronleuchtern nicht an prunkvolle, salonähnliche Räume, von deren Decken es nur so glizert und funkelt vor Strass und Gold. Das geht auch anders!

Bis der Kronleuchter – überhaupt das elektrische Licht – Einzug in die bürgerlichen Haushalte nehmen konnte, dauerte es eine Weile. Lange Zeit war immer noch die Kerze die wichtigste Lichtquelle des häuslichen Lebens. Später wurde sie von der Petroleumlampe nach und nach abgelöst. Kristallüster existierten bereits vorher, doch war dieser ausgesprochene Luxus adeligen Kreisen vorbehalten.

Frankreichs Sonnenkönig Ludwig XIV. mochte es üppig auf Schloss Versailles. Wie war es möglich, das zwar romantische, doch recht schwache Licht von Kerzen aufzufangen und es in seiner Intensität zu potenzieren? Das Zauberwort: Facettenschliff. Die Lüster, die in fürstlicher Größe von den Decken der höfischen Festsäle hingen, waren über und über behangen mit Kristallen und Perlenschnüren. Diese Kristalle waren geschliffen und facettiert: Traf ein Lichtstrahl auf sie, wurde er reflektiert und gestreut.

Auch der Kronleuchter unterlag dem Wechsel des Geschmacks. Bevor der Kristalllüster in Deutschland richtig in Mode kam, waren Hängeleuchten aus Geweih sehr beliebt. In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts begeisterten fantasievolle Gebilde aus Muranoglas. Später sollten sie durch die Arbeit böhmischer Glashütten ernste Konkurrenz bekommen. Ansonsten verwandte man Materialien wie Schmiedeeisen, Messing, Bronze sowie Porzellan.

Die neue Leichtigkeit

Die Kronleuchter unserer Zeit haben sich den räumlichen Verhältnissen angepasst – und der Vorliebe für verhaltener “funkelndes†Design. Trotzdem zieht der Lüster von heute noch immer alle Blicke auf sich. Wie eh und je verlangt er nach einer exponierten Stelle und ein wenig Platz, um wirken zu können. Statt an Hundertschaften geschliffener Kristalle vorbei, fällt das Licht durch facettierte Glasvasen. Wandert zwischen poetisch beschriebenen Papierzetteln hindurch. Lugt aus ineinander verschlungenen Metallfäden hervor, spaziert fast unbemerkt durch Flügel und Federn.

Wer mehr die Nähe zum Klassiker sucht, findet in Leuchten aus Muranoglas sicher seine Favoriten. Deren brillantes Feuerwerk an Farben zeigt sich bereits am Tage: Leuchtendes Gelb wetteifert mit Rot, kräftiges Grün posiert mit tiefem Blau. Puristen hingegen lieben’s minimalistisch: Ihnen genügen mit Halogenlampen bestückte Metallreifen, was eine Lüster-Herkunft nur noch vage erahnen lässt. Gerade darin liegt der besondere Reiz: Althergebrachtes neu zu definieren, traditionelle Muster in die heutige Formensprache umzusetzen.

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