Das richtige Licht für jeden Raum
Licht beeinflusst unser Wohlbefinden. Wie kein anderes Gestaltungselement schafft es Atmosphäre. Dabei muss es viele Aufgaben erfüllen: Das ideale Licht ist funktional, passt sich individuell an. Es ist ästhetisch und inspiriert die Sinne
Als Thomas Alva Edison im Jahre 1879 mit seiner „Edison-Lampe“ der Durchbruch gelungen war, begann ein neues Zeitalter für den Menschen. Die Erfindung des elektrischen Lichts war revolutionär, bald verschwand die Dunkelheit von Straßen und aus Häusern. Auch wenn die technischen Weiterentwicklungen stetig mehr Komfort hervorbringen, bleibt eines unverändert: die unglaubliche Faszination für dieses Medium. Licht gibt Orientierung, schenkt uns Sicherheit. Es hebt Strukturen und Formen hervor, lässt Farben erkennen oder Dinge im Schatten verschwinden. Es vermag Gefühle zu wecken, Stimmungen zu erzeugen. Mit dem „richtigen“ Licht fühlen wir uns wohl, „falsches“ Licht kann schnell das Gegenteil bewirken. Eine gute Beleuchtung muss vielen verschiedenen Anforderungen gerecht werden.
„Ein Auge sieht, das andere fühlt“
(Paul Klee)
Das Zuhause ist der Ort, an dem wir entspannen möchten, aber auch aktiv sein wollen. Für jede Tätigkeit – ob lesen, kochen oder Freunde zum festlichen Dinner empfangen – gibt es die passende Beleuchtung. Hell für die spannende Lektüre, brillant und klar zum Arbeiten, diffus und weich zum Einstimmen auf einen gemütlichen Abend. Um all diese Aufgaben zu erfüllen, die durchaus in einem Raum stattfinden, sind mehrere Lichtquellen nötig. Lichtinseln schaffen heißt da die einfache Regel. Wichtig für jeden Raum ist zunächst die Allgemeinbeleuchtung, zum Beispiel durch eine leistungsstarke Deckenleuchte. Sie leuchtet das Zimmer direkt aus und hilft bei der Orientierung. Im Idealfall ist sie dimmbar. Ergänzt wird sie von funktionalen Platzbeleuchtungen, die von Raum zu Raum variieren. Für das Wohnzimmer bedeutet das: Steht dort auch ein Schreibtisch, ist eine Arbeitsleuchte notwendig? Gibt es einen integrierten Essbereich, für den die Deckenleuchte allein nicht ausreichen würde? Wie soll die Leseecke gestaltet werden?
Schließlich kommt noch die Akzentbeleuchtung hinzu. Damit werden bestimmte Gegenstände oder Bereiche betont: Tischleuchten umrahmen den Kaminsims, spezielle Leuchten legen den Fokus auf die Bildergalerie, indirektes Licht hebt Vitrinen oder Regale hervor. Stimmungslicht rundet das Bild ab, vollendet es in Form von kleinen Lichtquellen zwischen Sofas, am Fenster, mit Windlichtern und Kerzen. Welche Lampenart und Leuchten ausgewählt werden sollen, bestimmt zum einen die vorgegebene Architektur des Raumes, zum anderen der Einrichtungsstil, die Oberflächen und Farben. Je nachdem, wie viel Tageslicht in das Zimmer fällt, muss mehr oder weniger künstliches Licht eingeplant werden. Ist der Raum hell oder dunkel gestaltet? Helle Farben reflektieren stärker das Licht, dunkle „schlucken“ es. Wie sind die Oberflächen geschaffen? Was glatt und glänzend ist, wirft mehr Licht zurück als matte oder raue Strukturen.
Lichtinseln schaffen ein ausgewogenes Beleuchtungsniveau
Dimmbares Licht ist fürs Schlafzimmer besonders wichtig, dort, wo die Übergänge zwischen Tag und Nacht am deutlichsten präsent sind. Am Bett sollten sich Leuchten für jeden befinden, am besten mit kleinem Ausstrahlungswinkel und individuell einstellbar, um während ausgiebiger Lesestunden die Nachtruhe des anderen nicht zu stören. Das können Tischleuchten auf dem Nachttisch sein, Wandleuchten oder – sehr komfortabel – seitlich am Kopfende des Bettes befestigte Leseleuchten. Für die perfekte Ausleuchtung des Kleiderschrankes eignen sich zum Beispiel einzelne Strahler. Sie werden so ausgerichtet, dass sie bei geöffneter Schranktür ohne zu blenden die Regale und das Innere ausleuchten. Zusätzlich verschaffen spezielle Einbauleuchten im Schrank den besten Überblick.
Die Küche ist Arbeitsplatz und geselliges Zentrum zugleich. Zusätzlich zur Allgemeinbeleuchtung, die auch für den Blick in Schubladen und Schränke ausreichen soll, braucht man gutes Licht auf der Arbeitsfläche für sicheres Zubereiten, Schneiden und Schälen. Unter Oberschränken angebrachte Leuchten sollten nach vorn abgeschirmt sein, so können sie nicht blenden. Auch an Herd und Spüle muss man genau sehen können, was man gerade tut. Für den Herd bieten sich integrierte Dunstabzugs-Leuchten an. Vor allem in der Küche ist es wichtig, wie natürlich die Farbe der Lebensmittel durch die Lampen wiedergegeben wird. Eine Lampe mit so genannter Farbwiedergabe-Stufe 1 A kann das am besten. Glüh- und Halogenlampen zählen dazu.
Licht verführt die Sinne, macht Appetit, ist reine Poesie
Ist das Festmahl schließlich zubereitet, freuen sich Gastgeber und auch Gäste, wenn der Esstisch gleichmäßig ausgeleuchtet ist. Gerade bei langen Tafeln bieten sich dafür nebeneinander angeordnete Pendelleuchten an, deren Abstand zueinander variabel einzustellen, die Höhe unter Umständen veränderbar ist. Wer am Tisch Platz genommen hat, sollte seinem Gegenüber ohne Hindernis in die Augen schauen können, ohne dabei geblendet zu werden. Ein Abstand von gut 60 cm zwischen Leuchten und Tischplatte, etwas über Augenhöhe, sollte das gewährleisten. Wenn aus Geschirrschränken und Vitrinen sanftes, indirektes Licht kommt und der Schein flackernder Kerzen den Tisch erhellt, ist die Inszenierung vollkommen.
Die Lichtplanung im Vorfeld anzugehen, entspricht dem Idealfall – wenn über Elektroanschlüsse und Sonderwünsche noch beraten und entschieden werden kann. Ist die Einrichtung bereits komplett, verführt das Medium Licht weiterhin zum Experimentieren und Lichterfahren: wie Glas oder Stoff Lichtstrahlen auf andere Weise filtern, ihrer Umgebung ein neues Gesicht verleihen. Oder der Kronleuchter moderne Architektur beflügelt.
Hintergrund:
Lampen und Leuchten
Man unterscheidet zwei Begriffe: „Lampe“ bezeichnet die Lichtquelle, unter einer „Leuchte“ versteht man den ganzen Beleuchtungskörper. Glühlampen spenden ein warmes Licht, das dem Tageslicht ähnelt, haben aber eine geringere Lebensdauer als Halogen-Glühlampen, die bei weniger Stromverbrauch mehr Licht abgeben, das brillanter ist. Es gibt sie in Hochvolt- und Niedervolt-Ausführung. Verbunden mit Seil-, Schienen- und Stangensystemen bringen sie Licht dort hin, wo man es braucht. Energiesparlampen zählen zu den kompakten Leuchtstofflampen. Sie verbrauchen etwa 80 % weniger Energie als Glühlampen. Mittlerweile passen sie sogar in kleine Tischleuchten.




Das richtige Licht für jeden Raum - WohnenTräume 04/05